Neue Bahnstrecke mit Flughafenanbindung bestätigt

Samstag, April 18th, 2026

Die Balearenregierung hat die Pläne für eine bedeutende neue Bahnstrecke von Palma nach Llucmajor mit einer Haltestelle am Flughafen Palma offiziell genehmigt. Bei diesem Projekt handelt es sich um die größte Erweiterung des mallorquinischen Schienennetzes seit fast zwei Jahrzehnten. Die neue Verbindung soll sowohl der lokalen Bevölkerung als auch den Millionen von Passagieren dienen, die jährlich den Flughafen nutzen. Mit einer Gesamtinvestition von 811 Millionen Euro soll die Strecke jährlich etwa 8,5 Millionen Fahrgäste befördern.

Die Flughafenanbindung

Ein Eckpfeiler dieses Infrastrukturprojekts ist die Integration eines eigenen Bahnhofs direkt in das Terminal des Flughafens Palma. Während der genaue Standort auf dem Flughafengelände in der technischen Planungsphase noch festgelegt werden muss, hat die Regierung bestätigt, dass diese Anbindung die Transferzeiten für Passagiere drastisch reduzieren wird. Im Gegensatz zu den aktuellen Busverbindungen, die vom Straßenverkehr auf der Autobahn abhängig sind, bietet die neue Bahnverbindung eine verlässliche Option. Schätzungen gehen von einer Fahrzeit von etwa 12 Minuten zwischen dem Zentrum von Palma und dem Flughafenterminal aus. Vom Stadtzentrum aus geht es dann weiter in Richtung Playa de Palma und Arenal.

Die neue Linie ist so konzipiert, dass sie sich nahtlos in das bestehende Schienennetz Mallorcas am Bahnhof Son Costa – Son Fortesa einfügt. Son Costa bedient bereits die Zuglinien T1, T2 und T3 sowie die Metrolinie M1. Durch die Anbindung der Flughafenlinie an diesen Knotenpunkt stellt das Projekt sicher, dass Flugreisende problemlos in den Rest der Schieneninfrastruktur der Insel umsteigen können.

Für Besucher, die ins Herz der Hauptstadt möchten: Son Costa liegt nur 2,7 km oder eine 7-minütige Zugfahrt von der Plaça d’Espanya entfernt.

Vorgesehene Streckenführung

Die neue Bahnlinie beginnt im Zentrum von Palma und verläuft in Richtung Südosten nach Llucmajor. Sie umfasst die folgenden Stationen:

Stationen in Palma (10)

  • Conservatori: Der Ausgangspunkt in der Nähe des Musikkonservatoriums.
  • Son Costa: Ein bestehender Knotenpunkt mit Anschluss an das aktuelle Schienennetz.
  • Miquel Dolç: Im Stadtteil Pere Garau gelegen.
  • Son Güells: Zur Anbindung der östlichen Wohngebiete.
  • Hospital Son Llàtzer: Ein wichtiger Halt für das bedeutendste Krankenhaus der Insel.
  • Coll d’en Rabassa: In der Nähe des gewerblichen und wohnwirtschaftlich genutzten Küstengebiets.
  • Aeroport: Hier wird die Linie direkt in den Flughafen Palma integriert.
  • Son Oms: Dient dem Industrie- und Logistikpark in der Nähe des Flughafens.
  • La Porrícula: In der Nähe von S’Arenal/Platja de Palma.
  • Bellavista-Ses Cadenes: Die letzte Station innerhalb des Gemeindegebiets von Palma.

Stationen in Llucmajor (3)

  • S’Arenal: Diese Haltestelle befindet sich auf der Llucmajor-Seite des beliebten Küstenorts.
  • Son Noguera: Anbindung des Industriegebiets.
  • Llucmajor Centre: Die Endstation im Herzen der Stadt.

Schematische Darstellung der geplanten Strecke

Fernbahn oder Metro?

Das neue Bahnlinienprojekt ist ein Kernbestandteil des Schienennetzes der SFM (Serveis Ferroviaris de Mallorca), die sowohl die Regionalzüge der Insel als auch die Metrolinien von Palma betreibt.

Während die Metro, einschließlich der bestehenden M1 und der kürzlich angekündigten Linie M2, als städtisches Verkehrssystem innerhalb von Palma fungiert, handelt es sich bei der neuen Llucmajor-Linie um eine eigenständige, 30 Kilometer lange Fernbahntrasse. Sie ist darauf ausgelegt, eine schnelle Verbindung zwischen Palma, dem Flughafen, und Llucmajor zu gewährleisten und das SFM-Netz in den südöstlichen Korridor der Insel zu erweitern.

Wandel in der Strategie: Vom Straßenbahngleis zum Tunnelbau

Das Konzept einer Bahnverbindung zum Flughafen Palma de Mallorca wird in der Politik der Balearen seit über 30 Jahren diskutiert, wobei sich der aktuelle Vorschlag deutlich von früheren Plänen unterscheidet.

  • Historische Vorschläge: In den späten 1990er und frühen 2000er Jahren lag der Fokus weitgehend auf einem „Tram-Train“ oder Stadtbahnsystem. Bekannt als Trambadia, hätte dies auf Straßenebene entlang der Küste verkehren sollen.
  • Der aktuelle Plan: Das 2026 verabschiedete Projekt verwirft das Küsten-Straßenbahnkonzept zugunsten einer schnelleren, unterirdischen Route. Durch den Einsatz von Tunnelbohrmaschinen für 10 Kilometer der Strecke umgeht die neue Bahnlinie den oberirdischen Verkehr in weiten Abschnitten.

Strategische infrastrukturelle Anpassungen

Das Infrastrukturministerium modifiziert derzeit die Pläne für die erste Phase des „Segundo Cinturón“ (Zweiter Ring), einer neuen Umgehungsstraße zur Reduzierung der Verkehrsstaus um Palma, um die Kompatibilität mit der neuen Bahnlinie sicherzustellen.

Da sich beide Projekte in der Nähe von Coll d’en Rabassa kreuzen, haben Ingenieure eine 15 Meter breite Unterführung entworfen, die unter der künftigen Autobahn gebaut werden soll. Diese vorbereitenden Arbeiten, die für Ende 2026 geplant sind, stellen sicher, dass die Bahnlinie zu einem späteren Zeitpunkt gebaut werden kann, ohne kostspielige oder störende Straßensperrungen zu erfordern.

Des Weiteren wurde die geplante Station in Coll d’en Rabassa in eine Grünfläche neben der Autobahnausfahrt zum Flughafen verlegt. Diese Anpassung soll den Zugang für Fahrgäste verbessern: Sie umfasst eine neue „Park and Ride“-Anlage und bietet einen nahtlosen Übergang zwischen der Bahnlinie und dem örtlichen EMT-Busnetz.

Opposition und politische Machbarkeit

Wie bei allen Plänen zur Erweiterung des Schienennetzes auf Mallorca ist auch dieses Projekt auf nennenswerten Widerstand gestoßen:

  • Die Erweiterung nach Campos: Ursprünglich war geplant, die Linie bis nach Campos fortzuführen. Heftige Proteste der Plattform DECA (Defensa del Ciudadano ante Abusos) und lokaler landwirtschaftlicher Gruppen führten jedoch dazu, dass die Regierung diese Erweiterung auf Eis legte. Es wurden Bedenken hinsichtlich der Zerschneidung von Ackerland und der Umweltauswirkungen auf ländliche Anwesen geäußert.
  • Städtische Anliegen: Innerhalb von Palma setzten sich Anwohner des Viertels Pere Garau erfolgreich für die Aufnahme einer Station am Miquel Dolç ein, um sicherzustellen, dass das Projekt auch den dortigen Anwohnern zugutekommt.

Das Projekt befindet sich nun in der technischen Planungsphase mit gesicherter regionaler Finanzierung. Auch wenn zukünftige politische Veränderungen oder Finanzierungsstreitigkeiten mit der Zentralregierung den Zeitplan beeinflussen könnten, hat das Projekt seine größten administrativen Hürden bereits genommen.

Projektzeitplan

  • 2026: Beginn der vorbereitenden Straßenbauarbeiten und Abklärung noch offener technischer Fragen.
  • 2028: Geplanter Baubeginn für die Bahntrasse.
  • 2032: Voraussichtliche Fertigstellung und Einweihung der Strecke.

Nach ihrer Inbetriebnahme wird die Bahnstrecke das Passagieraufkommen auf der Insel voraussichtlich um 73 % steigern. Über die verbesserte Flughafenanbindung hinaus stellt das Projekt einen strategischen Meilenstein für die Modernisierung des mallorquinischen Nahverkehrs dar. Durch das attraktive Angebot als Alternative zum Pkw-Verkehr wird die neue Linie maßgeblich dazu beitragen, den Verkehr rund um die Hauptstadt zu entzerren und die CO₂-Bilanz der Region deutlich zu verbessern.



 

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