Energiegeladen auf 12.000 Metern: Warum die Regeln für Powerbanks an Bord verschärft wurden

Mittwoch, Juli 15th, 2026

Ob als digitale Bordkarte oder für das perfekte Foto vom Sonnenuntergang über dem Mittelmeer: Das Smartphone ist einer unserer wichtigsten Reisebegleiter. Damit ihm unterwegs nicht die Puste ausgeht, ist eine verlässliche Stromquelle unverzichtbar.

Es ist daher kaum verwunderlich, dass Powerbanks mittlerweile zur Standardausrüstung im Reisegepäck gehören. Vielleicht ist Ihnen jedoch aufgefallen, dass die Fluggesellschaften beim Transport dieser praktischen Ladegeräte deutlich strenger geworden sind. Dies rührt daher, dass die Zahl der Zwischenfälle mit Powerbanks an Bord von Flugzeugen in den letzten Jahren drastisch angestiegen ist.

Damit Sie völlig entspannt und reibungslos in den Urlaub starten können, haben wir die Ursachen für diese Probleme genauer unter die Lupe genommen. Hier sind die neuen globalen Regeln, die Sie vor dem Abflug kennen sollten.

Warum häufen sich die Zwischenfälle mit Powerbanks?

Dass Powerbanks plötzlich so stark im Fokus stehen, liegt nicht an einem einzelnen Faktor, sondern an einer Kombination aus veränderten Reisegewohnheiten:

  • Fluggäste bringen heute schlichtweg viel mehr wiederaufladbare Geräte an Bord als noch vor fünf Jahren.
  • Der Online-Handel wurde regelrecht mit preiswerten, markenlosen Powerbanks überschwemmt. Bei diesen Billigimporten mangelt es oft an hochwertigen Materialien und den wichtigen Sicherheitsmikrochips, die in Markenprodukten verbaut sind.
  • Wir alle möchten unsere Smartphones möglichst schnell aufladen. Die extrem schnelle Energieübertragung erzeugt jedoch von Natur aus wesentlich mehr Wärme. Wenn eine billige oder beschädigte Schnelllade-Powerbank in einem vollgestopften Rucksack oder einer engen Manteltasche verstaut ist, kann die Wärme nicht entweichen, was das Risiko einer Fehlfunktion massiv erhöht.
  • Viele Fluggäste sind nicht mit den Sicherheitsvorschriften vertraut. Deshalb kommt es immer noch vor, dass diese Geräte im aufgegebenen Gepäck verstaut oder in den Gepäckfächern über den Sitzen gelagert werden. Dort ist es jedoch weitaus schwieriger, eine gefährliche Wärmeentwicklung rechtzeitig zu bemerken.

Was macht diese Akkus so unberechenbar?

Die meisten modernen Powerbanks basieren auf der Lithium-Ionen- (Li-Ion) oder Lithium-Polymer-Technologie (Li-Po). Diese eignen sich hervorragend für Reisen, da sie enorm viel Energie in einem sehr kleinen, leichten Gehäuse speichern können.

Im Inneren jeder Lithium-Batterie sind die positiven und die negativen Elektroden durch eine hauchdünne Kunststoffbarriere (den Separator) voneinander getrennt. Wird eine Powerbank beschädigt und diese Barriere versagt, berühren sich die beiden Seiten direkt, was zu einem Kurzschluss führt. Dadurch wird die gespeicherte elektrische Energie schlagartig freigesetzt, was sich sofort in extremer Hitze äußert. Dieser unaufhaltsame, sich selbst verstärkende Prozess wird als „thermisches Durchgehen“ (Thermal Runaway) bezeichnet. Der Akku kann innerhalb von Sekunden Temperaturen von über 500 °C erreichen, giftige, hochentzündliche Gase ausstoßen und sich in ein regelrechtes chemisches Jetfeuer verwandeln.

Vielleicht fragen Sie sich, warum für Ihr Mobiltelefon oder Ihren Laptop, die dieselbe Akkutechnologie nutzen, nicht dieselben strengen Einschränkungen gelten. Der Unterschied liegt in der Hardware. Ein Laptop verfügt über aktive Temperatursensoren, hochentwickelte Software zur Überwachung des Akkuzustands und ein verstärktes Gehäuse. Eine tragbare Powerbank hingegen ist im Grunde nur eine rohe, extrem leistungsstarke Akkuzelle, die mit einer einfachen Leiterplatte verbunden ist, ganz ohne fortschrittliche Kühlsysteme.

Die aktuellen Regeln für das Fliegen mit Powerbanks

Um die Sicherheit aller Passagiere zu gewährleisten, hat die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) die globalen Richtlinien am 27. März 2026 aktualisiert. Diese Vorschriften gelten in allen 193 Mitgliedstaaten, einschließlich der gesamten EU, Großbritanniens und der USA.

Folgendes müssen Sie vor dem Boarding beachten:

  • Nur im Handgepäck: Powerbanks dürfen ausschließlich im Handgepäck mitgeführt werden und sind im Frachtraum strengstens verboten.
  • Strikte Obergrenze: Fluggäste dürfen maximal zwei Powerbanks pro Person in der Kabine mitführen.
  • Kein Laden an Bord: Es ist strengstens untersagt, die Powerbank während des Fluges an den USB-Anschlüssen oder Steckdosen des Flugzeugs aufzuladen.
  • Immer in Reichweite: Powerbanks dürfen nicht in den Gepäckfächern über den Sitzen verstaut werden. Bewahren Sie sie stattdessen direkt bei sich auf, etwa in der Sitztasche vor Ihnen oder in einer Tasche unter Ihrem Vordersitz. So stellen Sie sicher, dass Sie eine eventuelle Überhitzung oder Geruchsentwicklung sofort bemerken.

Was passiert, wenn ein Gerät an Bord versagt?

Auch wenn die physikalischen Details im ersten Moment besorgniserregend klingen mögen, besteht kein Grund zur Sorge. Die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter sind umfassend in Sicherheits- und Gefahrgutprotokollen geschult und wissen genau, was in einem solchen Fall zu tun ist.

Sollte ein Akku überhitzen, leitet die Crew ein präzise koordiniertes Notfallverfahren ein. Da Lithiumbrände ihren eigenen Sauerstoff erzeugen, sind klassische Feuerlöscher hierfür kaum geeignet. Priorität hat stattdessen die sofortige Kühlung: Die Crew wird das Gerät mit reichlich Wasser oder anderen alkoholfreien Flüssigkeiten übergießen, um den Akku abzukühlen und eine Ausbreitung der Kettenreaktion auf benachbarte Akkuzellen zu verhindern.

Moderne Flugzeuge sind zudem mit extrem widerstandsfähigen, mehrlagigen Brandschutztaschen (sogenannten Lithium-Ionen-Containment Bags) aus hitzebeständigen Materialien wie Kevlar ausgestattet. Sobald das Gerät ausreichend abgekühlt ist, verstaut die Crew die Powerbank mithilfe von Hitzeschutzhandschuhen in dieser Tasche, um sie vom Sauerstoff abzuschneiden und eventuellen Rauch sicher zu isolieren.

Ihre wichtigste Aufgabe als Passagier ist Aufmerksamkeit! Wenn Sie bemerken, dass Ihr Gerät ungewöhnlich heiß wird oder seltsam riecht, informieren Sie bitte umgehend die Kabinencrew. Bei der Akkusicherheit zählt jede Sekunde!

Ihre Checkliste für einen sicheren Flug

Bevor Sie Ihr Handgepäck schließen und sich auf den Weg zum Flughafen machen, sollten Sie folgende Punkte beachten, um sich selbst und Ihre Mitreisenden zu schützen:

  • Setzen Sie auf Qualität: Nutzen Sie ausschließlich Powerbanks bekannter Qualitätsmarken und kaufen Sie diese bei autorisierten Händlern.
  • Prüfen Sie den Zustand: Fliegen Sie niemals mit einer Powerbank, die aufgebläht oder stark zerkratzt ist, tiefe Dellen aufweist oder Risse hat.
  • Halten Sie die Beschriftung lesbar: Die Sicherheitskontrolle am Flughafen muss die Kapazität Ihres Akkus (in Wh oder mAh) zweifelsfrei ablesen können. Ist der Aufdruck abgenutzt, kann das Gerät konfisziert werden. Tipp: Kleben Sie einen Streifen transparentes Klebeband über das Etikett, um es vor Abrieb zu schützen.
  • Schützen Sie die Anschlüsse: Vermeiden Sie versehentliche Kurzschlüsse, indem Sie die USB-Anschlüsse abkleben oder das Gerät in einer separaten Stofftasche transportieren. So verhindern Sie, dass lose Münzen oder Schlüssel in Ihrer Tasche die Kontakte berühren.
  • Gepäckfächer meiden: Bewahren Sie Ihr Ladegerät sicher unter dem Vordersitz auf.
  • Vor dem Flug aufladen: Laden Sie Ihre Powerbank vollständig zu Hause oder in der Abflughalle auf. Nutzen Sie die USB-Anschlüsse im Flugzeug nur, um Ihr Smartphone oder Tablet direkt zu laden.

Wenn Sie diese einfachen und klaren Regeln befolgen, leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit über den Wolken. Somit können Sie sich entspannt zurücklehnen und Ihren Flug genießen!



 

AB

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