Psst … höher, leiser, grüner: Wie „Project Brut“ den Himmel über Palma verändern wird

Freitag, Februar 20th, 2026

Wenn Sie schon einmal nach Palma de Mallorca geflogen sind, ist Ihnen beim Landeanflug vielleicht das leuchtende Türkis des Meeres rund um die Insel aufgefallen. Während Passagiere diesen malerischen Anflug auf den Flughafen Palma de Mallorca genießen, sind viele Anwohnerinnen und Anwohner unter den Flugrouten häufig erheblich vom Lärm der ankommenden Maschinen betroffen.

Um dieses Problem anzugehen und zugleich den CO₂-Fußabdruck der täglich Hunderte Starts und Landungen in Palma zu reduzieren, wurde eine umfassende Initiative mit dem Namen Project Brut ins Leben gerufen. Durch eine Neugestaltung des Luftraums rund um die Insel soll das Fliegen für die lokale Bevölkerung leiser werden und gleichzeitig die Umweltbelastung der Luftfahrt deutlich sinken.

Was ist Project Brut?

Unter der Leitung des spanischen Flugsicherungsdienstleisters ENAIRE stellt Project Brut eine grundlegende Neustrukturierung der An- und Abflugverfahren rund um die Insel dar. Der Plan wurde am 22. Januar 2026 offiziell im spanischen Staatsanzeiger (BOE) veröffentlicht und befindet sich derzeit in der Phase der öffentlichen Konsultation. Die Umsetzung erfolgt schrittweise bis 2028.

Das Ziel ist zweifach: Mithilfe modernster Technologie sollen Flugzeuge von dicht besiedelten Gebieten ferngehalten und die „Straßen am Himmel“ begradigt werden, um Emissionen deutlich zu senken.

Präzision am Himmel: Weniger Lärm, weniger Kerosinverbrauch

Wie kann ein Düsentriebwerk gleichzeitig leiser und umweltfreundlicher werden? Die Antwort liegt in der „Geometrie“ des Fliegens. Im Kern geht es bei Project Brut darum, Flugrouten zu verkürzen und zu optimieren. Kürzere, gleichmäßigere und planbarere Strecken bedeuten geringeren Treibstoffverbrauch, weniger Emissionen und reduzierte Lärmbelastung am Boden.

Moderne Luftraumkonzepte auf Basis der sogenannten Performance-Based Navigation (PBN) können den Treibstoffverbrauch und die CO₂-Emissionen pro Flug um bis zu 10–15 % senken, auch wenn dieser Wert nicht in jedem Einzelfall erreicht wird. Angesichts von mehr als 240.000 Flugbewegungen pro Jahr am Flughafen Palma ergeben sich jedoch in jedem Fall erhebliche ökologische Vorteile.

So soll Project Brut diese Einsparungen ermöglichen:

Kürzere, direktere Flugrouten

Bisher mussten Flugzeuge festgelegten Routen folgen, die sich an bodengestützten Funkfeuern orientierten. Diese Strecken waren häufig länger und weniger effizient, vergleichbar mit einer kurvenreichen Landstraße statt einer geradlinigen Autobahn.

Was wird anders?
Dank satellitengestützter PBN-Navigation sind echte Punkt-zu-Punkt-Flüge möglich. Schon wenige eingesparte Meilen pro Flug summieren sich auf Tausende Tonnen Kerosin pro Jahr.

Warteschleifen vermeiden

Bei hohem Verkehrsaufkommen werden Flugzeuge häufig in Warteschleifen geschickt: Sie kreisen über dem Mittelmeer oder werden auf verlängerte Anflugrouten geführt. Dabei wird Treibstoff verbrannt, ohne dass das Flugzeug seinem Ziel näherkommt.

Was wird anders?
Durch die höhere Präzision von Project Brut steigt die Planbarkeit. Fluglotsen können ankommende Maschinen deutlich früher sequenzieren, sodass sie exakt zum richtigen Zeitpunkt die Landebahn erreichen – ohne Kreisen oder Umwege.

Wie funktioniert das im Detail? Für weitere Infos hier klicken.

Das „Frühzeitige Verlangsamen“:
Anstatt ein Flugzeug mit voller Geschwindigkeit fliegen und es später über Mallorca kreisen zu lassen, können Lotsen den Verkehr bereits Hunderte Kilometer vorher sortieren. Ein Pilot aus London oder Berlin wird möglicherweise gebeten, seine Geschwindigkeit über Frankreich geringfügig zu reduzieren. So trifft die Maschine genau dann ein, wenn ein Zeitfenster frei ist, ganz ohne Warteschleife.

Der „Reißverschluss-Effekt“:
Mithilfe neuer Satellitentechnologie wird ein sogenanntes Merge-Point-System genutzt. Ähnlich wie beim Reißverschlussverfahren auf einer Autobahn fädeln sich Flugzeuge fließend und ohne Stop-and-Go in den Endanflug ein.

Warten am Boden statt in der Luft:
Ist Palma außergewöhnlich stark ausgelastet, kann der Abflug am Startflughafen um wenige Minuten verzögert werden. Am Boden mit abgeschalteten Triebwerken zu warten ist deutlich effizienter als über den Balearen in der Luft Treibstoff zu verbrennen.

Das Ergebnis: eine Art „Metronom-Effekt“, bei dem Flugzeuge in gleichmäßigem Rhythmus ankommen. Das reduziert nicht nur Verspätungen, sondern ermöglicht auch einen kontinuierlichen Sinkflug (siehe unten), mit weniger Lärm und geringerem Verbrauch.

Continuous Descent Operations: Gleiten im Leerlauf

Bei sogenannten Continuous Descent Operations (CDO) handelt es sich um eines der effektivsten Instrumente zur Emissionsreduzierung. Statt in lauten, stufenweisen Sinkflügen, bei denen immer wieder Schub gegeben werden muss, gleitet das Flugzeug in einem gleichmäßigen, unterbrechungsfreien Sinkflug zur Landebahn.

Das Ergebnis:
Die Triebwerke laufen deutlich länger im nahezu leerlaufnahen Bereich. Der Treibstoffverbrauch im Sinkflug reduziert sich im Durchschnitt um 25–40 %. Gleichzeitig bleiben Flugzeuge länger in größerer Höhe über Wohngebieten, was die Lärmbelastung am Boden verringert.

Schnellere, umweltfreundlichere Steigflüge

Auch beim Start setzt Project Brut auf sogenannte Continuous Climb Operations (CCO). Besonders beim initialen Steigflug ist der Treibstoffverbrauch hoch, insbesondere wenn Flugzeuge in niedriger, dichter Luft zwischenzeitlich abflachen müssen.

Was wird anders?
Durch einen kontinuierlichen Steigflug bis zur optimalen Reiseflughöhe arbeiten die Triebwerke effizienter, der Luftwiderstand sinkt und die CO₂-Emissionen werden deutlich reduziert.

Kurz gesagt: Durch eine intelligentere Gestaltung der Flugbewegungen am Himmel bringt Project Brut spürbare Vorteile für Umwelt und Anwohner gleichermaßen.

Die Debatte um Nachtflüge

Trotz aller Fortschritte fällt Project Brut in eine Zeit intensiver Diskussionen über nächtlichen Flugverkehr. Anders als große europäische Drehkreuze wie Flughafen Frankfurt, Flughafen München oder Flughafen Zürich kennt Palma derzeit kein generelles Flugverbot zwischen 23:00 und 6:00 Uhr.

Lokale Initiativen fordern ein Nachtflugverbot und verweisen auf Lärmpegel in Schlafzimmern von über 70 Dezibel. Auch wenn ein Nachtflugverbot aktuell nicht vorgesehen ist, gelten die effizienteren und leiseren Anflugverfahren von Project Brut als wichtiger Schritt, um die gesundheitlichen Auswirkungen auf die Bevölkerung zu verringern und das Recht auf Nachtruhe besser zu schützen.

Grüner fliegen: Auf dem Weg zu Net Zero

Project Brut ergänzt zudem die ambitionierten Nachhaltigkeitsziele des Flughafenbetreibers Aena, der bis 2030 klimaneutral werden möchte.

Erst im vergangenen Jahr erreichte der Flughafen Palma die Carbon Accreditation auf Level 4: ein Meilenstein in der Reduzierung des eigenen ökologischen Fußabdrucks. Durch effizientere Flugrouten schließt Project Brut nun eine entscheidende Lücke: Die Emissionen der Flugzeuge werden gesenkt und ergänzen damit die nachhaltigen Maßnahmen am Boden.

Wie geht es weiter?

Die Umstellung auf das neue Luftraummodell erfolgt schrittweise bis 2028. Für Sie als Passagier bedeutet das künftig effizientere Abläufe und weniger Verspätungen. Für Umwelt und Anwohner verspricht Project Brut spürbar weniger Lärm und eine dringend benötigte Entlastung für Mensch und Natur.


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